Sicher kennen Sie aus eigener Erfahrung die Situation: Sie haben im Training etwas gelernt, was Sie unbedingt selbst anwenden möchten. Und haben es dann nie eingesetzt. Meistens fehlt im beruflichen Alltag die Zeit, zunächst aufwendige neue Verhaltensweisen zu etablieren.

 

Mit Personalisierung schneiden Sie vorhandene Trainingsprogramme auf den Bedarf eines Teilnehmers zu. So zieht dieser maximalen Nutzen aus dem Training und kann die Inhalte direkt im beruflichen Alltag einsetzen.

Auf Dauer genügt Willenskraft nicht, um neues Verhalten zu erlernen. Der Schlüssel hierzu ist personalisierter Transfer, der Mitarbeitern Zeit gibt für Reflexion sowohl mit ihrer Peer Group als auch im persönlichen Rahmen. Außerdem erhalten sie Unterstützung dabei, die Lerninhalte dann zu wiederholen, wenn sie benötigt werden.

1. Schaffen Sie Raum für die Lernpräferenzen der Teilnehmer

Es ist unüblich geworden, erwachsene Lerner in Lerntypen zu unterteilen, die am besten visuell, auditiv oder haptisch lernen. Allerdings ist nicht von der Hand zu weisen, dass jeder seine persönlichen Präferenzen hat, auf welche Weise er dazulernen will.

Lernpräferenzen statt Lerntypen

Damit das Training einen langfristigen Effekt hat und neue Verhaltensweisen in den Alltag übertragen werden, ist es sinnvoll, den Teilnehmern verschiedene Möglichkeiten anzubieten, mit denen sie nach dem Training selbstständig on-the-job weiterarbeiten können.

Stellen Sie Tools und Formate zur Verfügung, aus denen die Lernenden sowohl zeitlich als auch methodisch nach eigenen Vorlieben wählen können. Sie kennen das selbst:

Der eine schreibt die Reflexionen aus seinem Lernfortschritt in ein hochwertiges, ledergebundenes Lerntagebuch. Der nächste nutzt lieber die Notizfunktion in seinem Handy.

Es ist nicht wichtig, ob jemand das analoge oder digitale Lerntagebuch bevorzugt. Wichtig ist, dass er den Fortschritt im Blick hat.

Lernroutinen entwickeln mit personalisiertem Training on-the-job

Personalisiertes Training on-the-job bedeutet, den Mitarbeitern verschiedene Kanäle zur Verfügung zu stellen, damit sie nach eigenen Vorstellungen lernen können. Bieten Sie jeder Teilnehmerin im Follow-up nach dem Training Möglichkeiten, Lernroutinen zu entwickeln und sich auch selbstständig on-the-job fortzubilden:

  • Mit einem firmeneigenen Learning Management System können Mitarbeiter selbstständig Kurse zu Hard Skills absolvieren.
  • Eine Bibliothek an fachrelevanten Blogs, Podcasts und Büchern gibt Mitarbeitern Anregungen, die sich in ihrem Gebiet weiterbilden möchten.
  • Mit mobilen Lösungen können die Mitarbeiter jederzeit lernen: morgens, abends oder in der Situation, in der sie sich bestimmte Lerninhalte ins Gedächtnis rufen wollen, etwa vor Präsentationen oder Mitarbeitergesprächen.

Auf diese Weise lernt jeder Mitarbeiter personalisiert in seinem Tempo. So gelingt es, Verhaltensweisen dauerhaft zu ändern und Lerninhalte in den Alltag zu übertragen.

2. Motivieren Sie die Teilnehmer zur persönlichen Reflexion

Bereits im Training sollten die Teilnehmer sich konkrete Ziele gesetzt haben, an denen sie nach der Veranstaltung weiter arbeiten möchten. Damit das überhaupt möglich ist, benötigen sie oft die Unterstützung der Personalentwicklung.

Zum Training gehört nicht nur die Präsenzveranstaltung, sondern auch der Praxistransfer erfordert Aufmerksamkeit und Zeit der Teilnehmer. Stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter Zeitfenster haben, in denen sie an ihren Zielen arbeiten und ihren Lernerfolg reflektieren können, dann werden sie auch motiviert dazu sein.

Mit Remindern an persönlichen Zielen arbeiten

Zum nachhaltigen Trainingserfolg trägt es außerdem bei, wenn Sie die Teilnehmer regelmäßig an ihre Ziele erinnern. Auch der beste Vorsatz geht im Alltagstrubel schnell unter. Als Personalentwickler können Sie den Aufwand gering halten, wenn Sie die Erinnerungsaufgabe automatisieren.

Fordern Sie die Mitarbeiter dazu auf, regelmäßig innezuhalten, ihren Lernfortschritt zu reflektieren und nächste Schritte zu planen. Die Teilnehmerin eines Leadership-Seminars wird nicht von heute auf morgen perfekte Mitarbeitergespräche führen. Indem er nach dem Training regelmäßig reflektiert (Was hat gut funktioniert? Welche offenen Fragen habe ich gestellt? Was nimmt der Mitarbeiter nun aus dem Gespräch mit?) und sich kleine, konkrete Ziele setzt, wird er nach und nach besser darin, diese Gespräche zu führen.

3. Ermöglichen Sie Rückmeldung aus der Peer Group

Neben kritischer Selbstreflexion hilft auch persönliches Feedback von anderen Trainingsteilnehmern dem einzelnen dabei, seinen Fortschritt zu beobachten und an seinen Zielen zu arbeiten.

Ermöglichen Sie den gezielten regelmäßigen Austausch der Mitarbeiter untereinander, etwa in Form von Business Breakfasts, bei denen sie Lerninhalte diskutieren und weiterentwickeln. Wichtig ist auch hier, dass die Teilnehmer Zeitfenster haben, in denen sie bewusst voneinander lernen können.

Eine gute Alternative zu Präsenztreffen sind auch für diesen Fall digitale Tools, mit denen sich die Teilnehmer vernetzen können. Beispielsweise kann eine Teilnehmerin direkt im Anschluss an eine problematische Situation Feedback und Rat der Teilnehmer seines Trainings erfragen, ohne auf einen fixen Termin warten zu müssen.

Der generelle Vorteil des Austauschs in der Peer Group etwa im Vergleich zu generischen Case Studies und Benchmarks besteht darin, dass sich die Mitglieder dieser Gruppe alle in einer ähnlichen Situation befinden und auf die individuelle Situation des Kollegen reagieren können. Wer das erste Mal Führungsverantwortung trägt, benötigt nicht zwangsläufig einen Mentor, der jahrzehntelange Erfahrung als Chef hat.

Besonders hilfreich ist die Diskussion mit Kollegen, die zur selben Zeit vor ganz ähnlichen praktischen Herausforderungen stehen. Das Feedback unterstützt die Mitarbeiter dabei, ihre persönlichen Ziele zu erreichen, weil es sich auf genau die Herausforderung bezieht, vor denen sie in ihrem Alltag stehen.

 

Fazit

Die Personalisierung von Trainings ist ein Prozess, den Personalentwickler bereits lange vor dem Training initiieren. Sie planen damit den Lernfortschritt der Teilnehmer. Diese entscheiden vor dem Training über ihre Schwerpunkte und setzen sich während der Veranstaltung Ziele, an denen sie schließlich selbstständig arbeiten möchten.

Hier unterstützt die Personalentwicklung, indem sie dem Teilnehmer Tools zur Verfügung stellt, mit denen er seinen individuellen Lernfortschritt selbst reflektieren und mit seiner Peer Group diskutieren kann. Darüber hinaus ist es entscheidend, dass der Mitarbeiter auch tatsächlich Zeit und Gelegenheit hat, an seinen persönlichen Zielen zu arbeiten. Je nach Bedarf und persönlichen Präferenzen bereitet die Personalentwicklung so den Weg für personalisiertes Training on-the-job und den erfolgreichen Transfer der Trainingsinhalte in den beruflichen Alltag der Teilnehmerinnen.

 


Das könnte Sie sonst noch interessieren:

 

Interessiert Sie, was Ihre Kollegen in der L&D-Branche diskutieren?
Wir versorgen Sie mit den aktuellen Themen: