Eine bedeutsame Rolle in unserem lebenslangen Lernprozess spielt das Erlernen von neuem Verhalten durch die absichtliche oder unabsichtliche Ausführung einer vorher beobachteten Handlung eines Vorbilds, das sogenannte soziale Lernen1 , auch Modelllernen genannt.

Modelllernen ist die von Albert Bandura2 eingeführte Bezeichnung für einen kognitiven Lernprozess. Dieser liegt vor, wenn sich ein Individuum nach der Beobachtung des Verhaltens anderer Individuen sowie der darauffolgenden Konsequenzen neue Verhaltensweisen aneignet oder schon bestehende verändert. 

Soziales Lernen ermöglicht einen leichten und schnellen Erwerb komplexer Verhaltensbereiche basierend auf Beobachtung. Wir lernen also nicht nur aus eigenen positiven oder negativen Erfahrungen, sondern auch aus denen unserer Mitmenschen. 

Der lebensbegleitende Prozess des Modellernens beginnt bereits im Kleinkindalter, zum Beispiel im Kindergarten, geht über das Teenageralter, wie das Erlernen des Autofahrens bis hin zum Erwachsenendasein, durch die Aneignung neuer, beruflicher Tätigkeiten. Die Tatsache, dass dieser Prozess jeden Menschen individuell prägt, erklärt auch viele Unterschiede in Kulturen und sozialen Konventionen. 

Bedingungen für soziales Lernen im Arbeitskontext 

Dabei muss das Modell, von dem wir lernen, keine uns bekannte Person sein. So können wie auch das Verhalten von Personen aus Büchern oder Filmen 

Für Ihr erfolgreiches Modellernen im Arbeitskontext gibt es einige Bedingungen: Zunächst einmal müssen Sie an einem Kollegen ein Verhalten wahrnehmen, welches Sie selbst realisieren möchten. Je intensiver die Beziehung zwischen Ihnen und diesem Kollegen ist, und je deutlicher der von Ihnen vermutete Erfolg hinter dem gesehenen Verhalten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit der Verhaltensnachahmung.

Eine weitere Bedingung ist, dass Sie die Konsequenzen an Ihren Kollegen nach dessen Verhalten sehen. Kollegen, die in dem Unternehmen einen höheren sozialen Status als Sie haben, werden eher nachgeahmt, als Kollegen mit gleichem oder niedrigerem Status. Für die Verhaltensnachahmung ist zuletzt wichtig, dass Ihr Kollege Macht oder ein anderes kontrollierendes Merkmal, wie zum Beispiel eine Führungsposition, innehält.

Treiben Sie Ihr soziales Lernen voran

Sind die oben aufgeführten Bedingungen erfüllt, gibt es einige Aspekte zu beachten, wenn Sie Ihre persönliche Entwicklung bewusst vorantreiben möchten. Vor allem sollten Sie Ihre eigene Wahrnehmung schärfen und aufmerksam Ihre Umwelt, Ihre Kollegen und ihre Handlungen beobachten.

Fokussieren Sie sich auf Verhaltensweisen, die Sie besonders interessieren, hören Sie bewusst zu und schauen Sie genau hin. Nur wenn Sie sich frei machen für neue Eindrücke und nicht nur auf Ihre eigene Arbeitsweise fixiert sind, können Sie Unterschiede in Ansichten und Handlungen zwischen Ihnen und Ihren Kollegen erkennen und daraus lernen.

Keine Sorge, ein beobachtetes Modellverhalten3 kann manchmal erst längere Zeit nach dem Beobachten gezeigt werden, aber Sie haben das beobachtete Verhalten im Gedächtnis gespeichert. Sie werden sich im passenden Moment daran erinnern und das Verhalten nachahmen, indem Sie den Ablauf wiederholen. Wenn Sie dann die ersten Erfolge des Verhaltens sehen, wird sich das verankern.


Sie sind dran: Integrieren Sie Soziales Lernen in Ihren Alltag

1. Integrieren Sie Soziales Lernen in Ihren Alltag

Überlegen Sie sich genau, wie Sie konkret Ihre Wahrnehmung am Arbeitsplatz schärfen möchten und wie Sie offener für neue Eindrücke werden können. Wie können Sie diese Beobachtungsphasen sowie deren Reflexion in den Arbeitsalltag einbauen?

2. Beobachte Veränderungen

Reflektieren Sie die Situationen, in denen Sie sich bewusst um soziales Lernen bemüht haben. Wie hat dies zu Ihrem allgemeinen Lernprozess beigetragen?

 

Quellen