Bei der Erfolgsmessung von Trainings können Personalentwickler sich viel von den Technikern der DB Cargo abschauen.

Eine Million Tonnen Waren transportieren die DB-Güterzüge täglich durchs Land. Wenn es in der eng getakteten Infrastruktur zu Verzögerungen kommt, wird es vom Lieferanten über den Dienstleister bis zum Kunden schnell teuer für alle Beteiligten.

Seit 2019 nutzt DB Cargo deshalb Predictive Maintenance für die Wartung ihrer Loks. Eine Kombination aus aktuellen Zustandsdaten und historischen Erfahrungswerten gibt den Technikern Auskunft über den Wartungsbedarf einer jeden Elektrolok und macht den Instandhaltungsprozess planbar und transparent.

Das ist schön für die Technik, aber was hat das mit Personalentwicklung zu tun?

Mitarbeiter sind schließlich keine Maschinen, deren Zustand mit Sensoren ausgemessen wird, so weit ist es trotz Fitnesstrackern und Schlafüberwachungsapps glücklicherweise noch nicht gekommen.

Trotzdem funktioniert Trainingserfolgsmessung nach demselben Prinzip:

Personalentwickler ermitteln aktuelle Kennzahlen und vergleichen sie mit Erfahrungswerten, um daraus den aktuellen Weiterbildungsbedarf im Unternehmen und nächste Schritte abzuleiten.

 


Inhalt

Standortbestimmung: Wo steht Ihr Unternehmen und wo will es hin?

Wie Sie aufhören, Personalentwicklung zum Glücksspiel zu machen

Beyond Kirkpatrick: Warum Personalentwickler neue Messmethoden brauchen…

… und wie Sie Training Analytics für Ihre Organisation entwickeln

Kein Patentrezept, sondern 7 Zutaten für Ihren Methodenmix

Datenschutz: Klare Vorgaben für die Erfolgsmessung

Training Analytics zeigt Personalentwicklung als Investition


Standortbestimmung: Wo steht Ihr Unternehmen und wo will es hin?

Personalentwickler kämpfen regelmäßig um die Anerkennung als strategischer Partner der Geschäftsführung. Sie leisten einen gewichtigen Beitrag dazu, dass die Organisation ihre Ziele erreicht.

Problem ist nur: das müssen Sie erst einmal beweisen, denn die Geschäftsführung ist naturgemäß an Zahlen interessiert, die Ihre Erfolge belegen.

Daran, dass Personalentwickler strategische Partner der Geschäftsführung sein sollten, besteht kein Zweifel. L&D ist kritisch für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens, weil es seine Anpassungs- und Innovationsfähigkeit sichert. Schließlich ist nicht das Unternehmen als solches innovativ, sondern seine Mitarbeiter.

Alle Erfolgsmessung geht deshalb von der Frage aus:

Was sind die Ziele der Organisation, und welche Fähigkeiten brauchen unsere Mitarbeiter, um diese zu erreichen?

Ausgehend von den Zielen und Fähigkeiten benötigen Sie zunächst eine Bestandsaufnahme. Beim Skills Mapping halten Sie fest,

  • welche Fähigkeiten die Mitarbeiter bereits haben,
  • welche Lücken bestehen und
  • welche Erwartungen die Führungsebene einerseits und die Mitarbeiter andererseits haben.

Eine ausführliche Anleitung zum Skills Mapping finden Sie hier.

Wie Sie aufhören, Personalentwicklung zum Glücksspiel zu machen

Wenn Sie verortet haben, wo sich die Organisation momentan im Verhältnis zu ihren Zielen befindet, haben Sie die Ausgangsposition für Ihre Trainingsstrategie geschaffen und können priorisieren. Welche Fähigkeiten benötigt das Unternehmen am dringendsten und wer soll geschult werden?

Davon ausgehend gestalten Sie Ihre Trainingsprogramme und können anschließend messen, ob die Mitarbeiter die Fähigkeiten erlangt haben, die Sie im Vorfeld definiert haben.

Die Sache hat allerdings einen Haken:

Soft Skills lassen sich bekanntlich nicht so einfach abfragen wie das Wissen aus der letzten Arbeitssicherheitsunterweisung. Trotzdem ist es wichtig, dass Sie als Personalentwickler Schritt für Schritt Erfahrungswerte sammeln und schließlich Kennzahlen für Ihre Organisation entwickeln:

  • Entspricht das Training den Erwartungen der Teilnehmer?
  • Setzen die Teilnehmer sich Lernziele und arbeiten sie nach dem Training an diesen?
  • Wenden die Teilnehmer die Trainingsinhalte an?

So haben Sie eine Basis, Ihre Trainingsprogramme zu verbessern, denn andernfalls ist Personalentwicklung ein Glücksspiel: Vielleicht lernen die Mitarbeiter die Soft Skills, die sie brauchen, um das Unternehmen zukunftsfähig zu machen, vielleicht auch nicht.

Mit den Erfahrungswerten von heute haben Sie jedoch in Zukunft eine Basis, von der aus Sie Schritt für Schritt Ihre Trainings besser auf die Bedarfe Ihrer Mitarbeiter und der Organisation anpassen und künftige Bedarfe voraussehen können.

Beyond Kirkpatrick:
Warum Personalentwickler neue Messmethoden brauchen…

Beliebter Ausgangspunkt für die Evaluation von Weiterbildungsmaßnahmen im Unternehmen ist das Kirkpatrick-Modell. Personalentwickler messen damit auf vier Ebenen den Erfolg ihrer Trainingsmaßnahmen:

  1. Teilnehmerzufriedenheit mit dem Training
  2. Wissensvermittlung und Verständnis der Trainingsinhalte
  3. Transferleistung der Teilnehmer nach dem Training
  4. Veränderungen in der Organisation durch das Training

Für den Anfang ist das Modell hilfreich. Allerdings fokussiert sich der Wirtschaftswissenschaftler Kirkpatrick im Stil der Entstehungszeit seines Modells (1959) auf die ökonomischen Auswirkungen von Trainingsprogrammen. Heute sind den Unternehmen jedoch zunehmend auch ökologische und soziale Ziele wichtig.

Noch entscheidender ist, dass Sie als Personalentwickler in einem Unternehmen in Deutschland das Modell nicht vollständig anwenden können. Es sieht eine individuelle Leistungskontrolle vor, die hierzulande nicht gestattet ist.

Dementsprechend kennen wir kein Unternehmen, das das Modell anwendet – Personalentwickler durchlaufen maximal die ersten beiden Stufen. Die helfen jedoch noch nicht weiter, wenn es darum geht, den Beitrag von Personalentwicklung zum Unternehmenserfolg nachzuweisen.

Das Kirkpatrick-Modell weist den Weg zur erfolgreichen Trainingsevaluation, wenn es vorsieht, dass Transfer der Trainingsinhalte und Veränderungen in der Organisation gemessen werden. Heute haben Personalentwickler jedoch zusätzlich alternative Methoden zur Verfügung, um ihren Erfolg nachzuweisen und auf den Bedarf ihrer Mitarbeiter einzugehen.

… und wie Sie Training Analytics für Ihre Organisation entwickeln

Das Ziel der Erfolgsmessung in der Personalentwicklung ist der Nachweis, dass sich der Aufwand lohnt und gezielte Weiterbildung dazu beiträgt, dass Unternehmensziele erreicht werden – dank gut geschulter Mitarbeiter.

Deshalb ist es sinnvoll, auch die Evaluation ausgehend von den Trainingsteilnehmern zu denken. Stellen Sie den einzelnen Mitarbeiter ins Zentrum Ihrer Überlegungen und entwickeln Sie Ihre Analyse davon ausgehend weiter. So entstehen Messmethoden, die alternativ oder ergänzend zu Kirkpatricks Modell funktionieren.

  • Grundlage für erfolgreiche Personalentwicklung ist, dass die Lerninhalte relevant sind. Im Idealfall kann jeder Teilnehmer in jedem Training für seine tägliche Arbeit einen Mehrwert aus dem Programm ziehen.

    Entspricht Ihr Programm dem Weiterbildungsbedarf der Teilnehmer?

    Wenn das Training seinem Bedarf entspricht, wird der Teilnehmer intrinsisch motiviert sein, die Lerninhalte zu verstehen und anzuwenden. Stellen Sie die Relevanz bereits vor dem Training sicher und fragen Sie die Teilnehmer nach ihren Erwartungen. Gleichen sie die Ergebnisse dieser Befragung mit den Erfahrungen der Teilnehmer nach dem Training ab. 

 

  • Die Inhalte können noch so relevant sein für die Teilnehmer: Wenn sie neues Wissen nicht im Alltag einsetzen, hat das Training seine Wirkung verfehlt.

    Wenden die Teilnehmer die Trainingsinhalte anschließend im Alltag an?

    Wichtiger Baustein für die Erfolgsmessung ist der Praxistransfer. Ermitteln Sie, ob die Teilnehmer Lerninhalte im Alltag einsetzen und stellen Sie so die langfristige Wirkung Ihrer Trainings sicher. Nur wirksame Trainings vermitteln den Mitarbeitern die Fähigkeiten, die sie benötigen, um die Unternehmensziele zu erreichen. Entscheidend ist hierbei: Es geht nicht darum, den Lernerfolg zu kontrollieren. Das Ziel dieses Schritts ist, Verbesserungspotenzial aufzudecken und gegebenenfalls Methoden zu entwickeln, mit denen Sie die Mitarbeiter beim Praxistransfer unterstützen. 

 

  • Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und ein einzelner erfolgreich trainierter Mitarbeiter wird die Unternehmensziele nicht nennenswert beeinflussen können.

    Existiert in Ihrem Unternehmen eine Lernkultur?

    Die Mitarbeiter sind motiviert, haben in Trainings spannende Themen bearbeitet und wenden ihr neues Wissen im beruflichen Alltag an. Was will man als Personalentwickler mehr? Berücksichtigen Sie in der Trainingsevaluation auch, ob Ihre Mitarbeiter Wissen und Erfahrungen austauschen. Nutzen sie die Plattformen, die Sie ihnen zur Verfügung stellen? Welche Rückschlüsse können Sie aus den Nutzungsdaten ziehen, wo existieren besondere Interessen oder weitergehender Bedarf?

Profitieren Sie von allen Datenquellen, die Ihnen zur Verfügung stehen, um den langfristigen Erfolg Ihrer Trainingsprogramme zu messen und diese sukzessive weiterzuentwickeln.

Kein Patentrezept, sondern 7 Zutaten für Ihren Methodenmix

Für Personalentwickler ist die Controllingwelt komplizierter als für andere Abteilungen.

Sie können nicht einfach nachweisen, welchen Output Sie mit welchem Budget erreicht haben.

Dafür haben Sie andere Hebel für Ihre Erfolgsmessung. 

Eine Kombination aus verschiedenen Messmethoden, die Sie vor, während und nach den Trainings einsetzen, ergibt ein Gesamtbild mit dem Sie die für Ihre Organisation wichtigen Kennzahlen Schritt für Schritt ermitteln und im Blick behalten können.

  • OnSite-Visits
  • Auslastungs und Abschlussraten
  • Happy Sheets
  • Transfer-Feedback
  • Mitarbeiterumfragen
  • Mitarbeitergespräche
  • Daten aus digitalen Tools

Alle Methoden im Detail nachlesen

Es dauert eine gewisse Zeit und braucht Geduld, bis Sie den Methodenmix zusammengestellt haben, der Ihnen die Kennzahlen für Ihr Unternehmen liefert. Doch der Aufwand lohnt sich.

Je besser Sie den Bedarf der Mitarbeiter kennen, desto besser können Sie die Trainings darauf abstimmen und desto erfolgreicher werden Ihre Trainings sein - damit begeistern Sie Mitarbeiter und Geschäftsführung.

Wenn Sie in Ihren Trainings digitale Tools einsetzen, haben Sie noch einen weiteren Hebel für die Entwicklung Ihrer Trainings: Benchmarks anderer Unternehmen, die Sie mit Ihren eigenen Erfolgsdaten vergleichen und so den Standort Ihrer Trainingsprogramme bestimmen können.

Datenschutz: Klare Vorgaben für die Erfolgsmessung

Wenn Sie als Personalentwickler den Erfolg Ihrer Programme ermitteln wollen, müssen Sie auf die eine oder andere Weise Daten der Teilnehmer erheben und speichern. Dabei sollten Sie insbesondere drei Themenbereiche im Blick behalten:

  • Datenschutz und DSGVO
  • Datensicherheit
  • Anforderungen interner Stakeholder, wie z.B. des Betriebsrats

Generell gilt: Es dürfen im deutschen Unternehmenskontext selten Daten auf einzelne Personen zurückzuführen sein, sondern Daten müssen anonymisiert und aggregiert ausgewertet werden. Die Mitarbeiter müssen außerdem wissen, dass ihre Daten erhoben und gespeichert werden und dem zustimmen, so sieht es die DSGVO vor.

Behalten Sie immer im Blick, wozu die Daten dienen, die sie erheben: Es geht um die Fortbildung der Mitarbeiter und darum, Trainingsprogramme weiter zu entwickeln – nicht darum, beliebig Daten zu sammeln.

Arbeiten Sie dafür mit zertifizierten Dienstleistern zusammen, die Ihre Daten in der EU speichern und binden Sie auch Ihre IT-Abteilung und die Datenschutzbeauftragte in Ihren Prozess ein. Das erleichtert es Ihnen, die technischen und rechtlichen Aspekte der Datenspeicherung korrekt zu berücksichtigen.

Unsere Erfahrung zeigt, dass Sie unerwartete Unterstützung für Ihr Projekt erhalten können, wenn Sie diese Faktoren erfüllen. Letztlich geht es für Sie darum, Mitarbeitern Möglichkeiten zur Weiterbildung zu geben – interne Stakeholder wie der Betriebsrat widersprechen da nicht.

Training Analytics zeigt Personalentwicklung als Investition

Für die erfolgreiche Evaluation von Soft-Skill-Trainings gibt es keine Blaupause, die die Personalentwicklung einfach übernehmen und anwenden kann. Auch das Kirkpatrick-Modell bietet allenfalls einen ersten Anhaltspunkt für die Ermittlung von Trainingserfolgen.

Verschiedene Techniken ermöglichen es Personalentwicklern, trotzdem die Trainingsprogramme und deren Output zu messen und somit eine Basis für Verbesserungen zu schaffen die es ihnen außerdem erlaubt, die Wirksamkeit von Trainings nachzuweisen und den Beitrag der Personalentwicklung zu den Unternehmenszielen nachzuweisen.

Damit begeistern Sie Mitarbeiter und Unternehmensführung gleichermaßen – die Mitarbeiter, weil die Trainings ihren Bedarfen entsprechen und sie im beruflichen Alltag wirklich weiterbringen, die Geschäftsführung, weil sie den Nachweis erhält, dass Personalentwicklung kein Kostenfaktor, sondern ein Invest ist.

 

kostenlose everskill-Testversion anfordern