Wann sind Sie eine gute Autofahrerin geworden?

In dem Moment, als Sie Ihre theoretische Prüfung bestanden haben? Vermutlich nicht. Vermutlich waren Sie auch noch kein besonders guter Autofahrer, als Sie das erste Mal ohne Fahrlehrer, dafür mit druckfrischem Führerschein in der Tasche losgefahren sind.

Die Expertise kam mit den Kilometern hinterm Steuer. Das gleiche Prinzip gilt beim Erlernen von Soft Skills: Theorie ist hilfreich und bildet die Grundlage. Um einen mitreißenden Vortrag halten zu können, der bei den Zuhörern hängen bleibt, ist es sinnvoll Präsentationstechniken zu kennen.

Es braucht jedoch Zeit, Soft Skills unterbewusst zu beherrschen. Ein einzelnes Training genügt dafür nicht, denn Souveränität entsteht erst im anschließenden Training on-the-job. Erst dann entfaltet das Training seine Wirkung und der Mitarbeiter entwickelt seine Fähigkeiten wirklich weiter.

 

Was ist Training on-the-job für Soft Skills?

Kurz gesagt meint Training on-the-job Learning by Doing. Jemand erlernt eine Fähigkeit genau in dem Moment, in dem er sie benötigt und anwenden kann.

Dafür erhält er gerade so viel Hintergrundwissen, wie notwendig ist, damit er die Aufgabe besser als zuvor erledigen kann. Mit der Zeit führt der Mitarbeiter die Tätigkeit immer besser aus, ohne bewusst darüber nachzudenken.

Prozedurale und deklarative Fähigkeiten in der Personalentwicklung

Soft Skills wie mitreißendes Präsentieren oder regelmäßiges konstruktives Feedback sind so genanntes prozedurales Wissen, also Fähigkeiten, die Übung brauchen und in einen Prozess eingebettet sind. Prozedurale Fähigkeiten rufen wir unbewusst ab. Ein einfaches Beispiel dafür: Fahrrad fahren. Wie schaffen Sie es, oben zu bleiben?

Höchstwahrscheinlich können Sie zwar Rad fahren, aber nicht erklären, wie Sie das Gleichgewicht halten. Irgendwann haben Sie es gelernt, dann geübt, und nun fahren Sie ganz automatisch los, sobald Sie sich auf ein Fahrrad setzen.

Im Gegensatz zum prozeduralen Anwendungswissen steht das deklarative Wissen. Hier geht es um Sachverhalte, die wir einfach auswendig lernen und erklären können, wie etwa Verkehrsregeln.

Es ist wichtig zu wissen, welche Bedeutung ein Verkehrsschild hat und was „rechts vor links“ heißt. Ebenso bilden Kenntnisse zur Gesprächsführung die Grundlage von Feedbackgesprächen im Team. Doch mit den Fakten allein können wir nur wenig anfangen. Erst wenn wir unser deklaratives Wissen mit einer Tätigkeit verknüpfen, wenden wir es an und es wird unbewusst abrufbar.

Langzeitwissen kann in zwei Gruppen unterteilt werden:

Deklaratives Wissen beschreibt das Wissen von Fakten und Sachverhalte wie beispielsweise Unternehmenskennzahlen, Regeln zum Datenschutz, Gesetze.

Prozedurales Wissen hingegen bezieht sich auf Handlungen, die sich nur schwer erklären lassen, wie etwa das Führen von Mitarbeitergesprächen, die Fähigkeit, gut zu präsentieren oder Aufgaben sinnvoll zu strukturieren.

Training on-the-job sichert Praxistransfer von Seminarinhalten

Aus diesem Grund ist das Training on-the-job ein so wichtiges Element für die Personalentwicklung. Das Ziel ist, dass Teilnehmer von Trainings die Inhalte irgendwann genauso unterbewusst einsetzen, wie sie Rad oder Auto fahren.

Im Training on-the-job übertragen die Mitarbeiter Inhalte aus dem Training in ihren Arbeitsalltag und auf ihren konkreten Anwendungsfall – jedes Mal, wenn die Situation eintritt, in der sie die konkrete Fähigkeit benötigen. Dieser Transfer ermöglicht es den Mitarbeitern, ihre aktuellen Aufgaben besser auszuführen und dafür auf das zurück zu greifen, was sie in der Trainingsveranstaltung neu erlernt haben.

Für den Erfolg von Soft-Skill-Trainings ist es deshalb entscheidend, dass es Personalentwicklern und Trainern gelingt, Lerninhalte aus der künstlichen Trainingsumgebung schon während der Veranstaltung auf Situationen im realen Arbeitsalltag zu übertragen.

Passiert das nicht, dann weiß der Teilnehmer vielleicht, wie er sich verhalten sollte. Er wird es aber nicht tun, weil das theoretische Wissen zu abstrakt ist. Die Trainingsinhalte geraten dann schnell in Vergessenheit, der Effekt verpufft.

 

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Fazit: Personalentwicklung baut die Brücke zur Praxis

Wenn es gelingt, die Lücke zwischen Theorie und Praxis zu schließen, werden die Teilnehmer in der Lage sein, ihr neues Wissen einzusetzen und ihre Fähigkeiten entwickeln. Die Personalentwicklung kann viel dafür tun, die Mitarbeiter bei diesem Transfer zu unterstützen.

Diese Arbeit beginnt bereits vor dem Training, wird währenddessen intensiviert und anschließend on-the-job zum Erfolg geführt.

Genauso funktioniert der Weg zum Führerschein: Erst lernt der Fahrschüler etwas Theorie, dann nimmt er parallel Fahrstunden. Hier lernt er in einer realen Umgebung Auto zu fahren, aber mit Netz und doppeltem Boden – also dem Fahrlehrer. Erst wenn er gewisse Fähigkeiten erworben hat, ist er allein sicher unterwegs.

 

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