Inhalt 

1. Hier direkt zur Aufnahme und Präsentation

2. Kontinuität oder Irritation — welche Lernkultur bringt sie weiter?

3. Phase I der Lernkultur: Zwischen Komfort und Panik

4. Phase II der Lernkultur: Perfektion nach der Testphase

5. Standortbestimmung der Lernkultur

6. Individuelle Lernkultur für alle

 

Ein Unternehmen wächst nur, wenn es lernt. Voraussetzung dafür: Lernen an sich muss im Unternehmen einen Wert haben.

Wenn sie nicht dazulernen, machen Unternehmen und Mitarbeiter mehr von dem, was sie immer schon gemacht haben – und das ist nicht notwendigerweise der beste Weg, mit einer gegebenen Situation umzugehen.

Mit welcher Lernkultur Unternehmen am besten wachsen, haben Bestseller-Autor Dr. Hans-Werner Hagemann und Dr. Daniel Schmelzer, everskill-CEO, im Expertentalk diskutiert.

Hier finden Sie die komplette Aufnahme:

Hier finden Sie die kurze Präsentation aus dem Gespräch.

Kontinuität oder Irritation – welche Lernkultur bringt Sie weiter?

Welche Lernkultur ist die beste? Werden die Unternehmen Champions, deren Mitarbeiter sich regelmäßig aus ihrer Komfortzone bewegen? Oder sind die Unternehmen Spitzenreiter, die ihre Profession perfektioniert haben?

Anders gefragt: Wie finden Sie heraus, mit welcher Lernkultur Ihr Unternehmen sich am besten entwickelt?

Die Antwort darauf ist in der Ausgangsituation zu finden. Wenn wir vor einer vollkommen neuen Aufgabe stehen, von der wir noch nicht wissen, wie sie am besten zu lösen ist, müssen wir uns aus unserer Komfortzone bewegen.

Phase I der Lernkultur: Zwischen Komfort und Panik

Das Problem: Unser Gehirn ist gemütlich und mag es effizient. Bei neuen Problemen ziehen wir deshalb automatisch alte Verhaltensmuster aus der Schublade und wenden sie an – ohne zu wissen, ob dieses Verhaltensmuster in der gegebenen Situation optimal ist.

„In Unternehmen werden Dinge heute oft so gemacht, weil sie schon immer so gemacht wurden“, erklärt Hans-Werner Hagemann. „Wichtig ist aber, dass wir neugierig sind und uns aus der Komfortzone in die Lernzone bewegen.“

„Wir müssen neugierig sein und uns in die Lernzone bewegen“

Hier sind die Führungskräfte gefragt, die bewährte Verhaltensweisen in Frage stellen und Entdeckergeist sowohl vorleben als auch einfordern. Dabei dürfen sie es jedoch auch nicht zu weit treiben: „Nach der Lernzone kommt die Panikzone“, so Hans-Werner Hagemann, „dann verschließen sich die Mitarbeiter und halten erst recht an dem fest, was sie schon kennen.“

Auf unbekanntem Terrain ist deshalb eine Lernkultur wichtig, die Mitarbeiter irritiert, fordert und den Freiraum und Sicherheit zum Ausprobieren gibt.

 

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Phase II der Lernkultur: Perfektion nach der Testphase

Ist jedoch der richtige Weg bereits gefunden, gilt es, diesen zu perfektionieren. Niemand würde in ein Flugzeug steigen, dessen Pilot gerne einmal „etwas ausprobieren“ möchte. Piloten wissen, wie sie sich in kritischen Situationen verhalten müssen. Sie kennen Techniken für jede einzelne Situation, die sie kontinuierlich geübt haben und auf die sie jederzeit zurückgreifen können. In ihrer Ausbildung haben sie ihr Verhalten in seine Einzelteile zerlegt und Feedback erhalten, was sie besser machen können. So lernten sie ihre Profession bis zur Perfektion.
 

Diesen Ansatz nutzen auch Unternehmen, erklärt Dr. Daniel Schmelzer im Expertengespräch: „Lernkultur braucht Kontinuität. Mitarbeiter müssen die Gelegenheit haben, über einen langen Zeitraum gezielt zu üben und so vom Mittelmaß zur Exzellenz zu gelangen.“ Was für die Luftfahrt funktioniert, funktioniert auch für Soft Skills wie Feedbackkultur oder Leadership.

Standortbestimmung vor Lernkultur

Führungskräfte müssen immer wieder neu entscheiden, ob sie ihre Mitarbeiter zu neuen Ideen inspirieren wollen oder ob gerade eine Phase der kontinuierlichen Verbesserung erreicht ist. Hans-Werner Hagemann verweist auf das Beispiel des Hochspringers Richard Fosbury, der bei den Olympischen Spielen 1968 für Aufsehen sorgte, weil er als erster Athlet bei internationalen Wettkämpfen rückwärts über die Latte sprang.

„Habt ihr euren One Best Way schon gefunden?“

Fosbury hatte festgestellt, dass das bewährte und perfektionierte Verhalten – vorwärts zu springen – an eine natürliche Grenze gestoßen war und mit Neugierde seine Technik verändert. Heute ist seine Technik Standard.

Es kommt darauf an, zu erkennen, wann eine bewährte Vorgehensweise verbessert werden kann. „Mein Appell an die Führungskräfte: Schaut hin, wo ihr im Lernprozess seid“, so Hans-Werner Hagemann. „Habt ihr euren One Best Way schon gefunden? Oder müsst ihr noch herausfinden, was der Weg ist?“

Individuelle Lernkultur für alle

Was tut nun eine Führungskraft, die voller Tatendrang neugierig neue Vorgehensweisen testen will – und deren Mitarbeiter es sich in der Komfortzone bequem gemacht haben oder sich nicht trauen, neue Ideen vorzubringen?

Hier kommt es auf Diversity an: Weiterbildung findet heute nicht mehr für alle gleich und mit der Gießkanne statt, sondern ist hochindividuell. Dabei müssen Führungskräfte eine Lernkultur schaffen, lernen vorleben und so eine ausreichend große kritische Masse schaffen, die mitgeht. „Von denen werden es sich zurückhaltende Mitarbeiter dann abschauen“, so Daniel Schmelzer.

„Wir müssen den Wert der Weiterbildung tief im Unternehmen einpflanzen“

Damit das gelingt, müssen Mitarbeiter eine gewisse emotionale Betroffenheit haben und sich für ihr Thema interessieren – es bleibt also nicht alle Arbeit an den Führungskräften hängen. Ohne Mitarbeiter geht es nicht – und ohne Personalentwickler erst recht nicht, denn diese stellen mit Personalisierung einen individuellen Zugang zum Lernen her.

Quellen:

The Boston Consulting Group: Time to bring Learning to the C-Suite

Unsere Lernkultur-Experten im Gespräch:

Hans W. Hagemann Expertengespräch Lernkultur

Dr. Hans W. Hagemann ist Gründer und Managing Partner der Munich Leadership Group, einer auf Bestleistung  spezialisierten internationalen Unternehmensberatung mit Kunden wie BMW, Bayer, und BCG. Er ist einer der führenden Experten für Leistungssteigerung durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse. Dr. Hagemann ist Co-Autor des mehrfach ausgezeichneten Buches „The Leading Brain“, Random House, New York 2017.

 

Dr. Daniel Schmelzer ist Gründer der everskill GmbH und ist Doktor der Verhaltenspsychologie (Empathie als Führungsverhalten). Seine sechs Jahre Beratungserfahrung bei der Boston Consulting Group machen ihn zum Experten im Design von on-site und e-learning Trainingsprogrammen. Gleichzeitig verfügt er über eine langjährige Trainingserfahrung in den Bereichen Kommunikation und Führungsverhalten.