Hansjörg, hast du Sorge, dass Soft-Skill-Trainings in der Corona-Krise an sich an Bedeutung verlieren?

Ganz im Gegenteil. Ich habe eher den Eindruck, dass interessante Trainings im Home Office eine positive Abwechslung sind, die Personalentwickler ihren Mitarbeitern anbieten können.

 

Prof. Dr. Hansjörg Schwartz ist Diplom-Psychologe und einer der wenigen Dozenten im deutschsprachigen Raum, der langjährige Erfahrung sowohl in der Führung anspruchsvoller Verhandlungen als auch als Trainer und Berater hat. Durch seine praktische Tätigkeit u.a. bei Vertragsverhandlungen, M&A-Verhandlungen, Patentstreitigkeiten sowie im professionellen Sport hat er eine tiefe Kenntnis der Dynamiken, die bei solchen Verhandlungen entstehen können und bringt diese Erfahrungen in die Trainingsmodule ein.

Hansjörg Schwartz berät Rechtsabteilungen zahlreicher Unternehmen in anspruchsvollen Verhandlungsprozessen. Er lehrt an der Finanzakademie der European Business School sowie der Executive Education an der Bucerius Law School. Er engagiert sich darüber hinaus in der Verhandlungsforschung, ist Mitautor der umfassendsten Studie zu Verhandlungsmanagement in deutschen Unternehmen und entwickelt Tools zur Digitalisierung von Trainingselementen.

 

Du hast deine Trainings 2020 online gegeben. Wie schwierig war die Umstellung von Präsenzveranstaltung auf virtuelles Training?

Erstaunlicherweise: gar nicht schwierig. Wir hatten alle anfangs etwas Respekt vor der Technik. Das ist ja der worst-case, wenn einem vor den Teilnehmern die Systeme versagen. Deshalb haben wir erst einmal untereinander Testtrainings gegeben und alles ausprobiert. Da musste dann die ganze Familie ran (lacht). Es hat sich herausgestellt, dass die Sorge vor der Technik übersteigert war. Nach den Testläufen hatten wir das Gefühl – okay, das kann klappen.

„Als die ersten positiven Rückmeldungen kamen, war das Eis gebrochen.“

Mit der Erfahrung bin ich dann auf meine Kunden zugegangen, habe mit ihnen Vorgespräche auf ihren Plattformen geführt und mit ihnen ein Pilotprojekt geplant. Als daraus die ersten positiven Rückmeldungen kamen, war das Eis gebrochen – die Personalentwickler waren sehr offen und wir haben die Programme anschließend wie geplant für alle Teilnehmer ausgerollt.

Kunden und Teilnehmer wissen zu schätzen, dass sie viel Reisezeit und -kosten sparen – ich übrigens auch. So konnte ich dieses Jahr viel mehr Trainings anbieten und hatte 2020 mein umsatzstärkstes Jahr.

 

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Musstest du deine Trainings sehr überarbeiten, damit sie virtuell funktionieren?

Inhaltlich musste ich ehrlich gesagt kaum etwas anpassen. Aber natürlich ist es in der persönlichen Interaktion mit den Teilnehmern etwas anderes, Trainings virtuell anstatt in Präsenz durchzuführen.

Für mich gibt es einen Vorteil, ich kann nämlich die Unterlagen für das Seminar viel besser vorbereiten kann. Und ordentlicher sind sie auch: meine Tochter hat die Vorlagen mir auf mein iPad gezeichnet, und ich kann diese nun für jedes Trainings aufs Neue adaptieren. Im Seminar haben die Teilnehmer den Vorteil, dass alles direkt vorbereitet ist. Ich verwende mein Tablet als Flipchart, teile den Bildschirm und alle sehen sofort, was ich schreibe.

Funktioniert das für alle Trainingsarten so reibungslos?

Es gibt sicher Unterschiede zwischen den Trainings – kürzere Trainings sind online sicher besser umsetzbar als längere.

„Online ist die Herausforderung, den Spannungsbogen zu halten, viel größer.“

Ich gebe ausschließlich Verhandlungstrainings, da ist die virtuelle Vermittlung der Inhalte kein Problem, man verhandelt ja auch real meist per Telefon oder Videokonferenz. Auch bei Führungstrainings haben wir gute Erfahrungen gemacht. Für Vertriebstrainings und andere Kommunikationstrainings gilt das gleiche.

Sind virtuelle Trainings also ganz einfach umzusetzen?

Online ist die Herausforderung, den Spannungsbogen zu halten, viel größer. In Präsenztrainings schweifen die Teilnehmer auch schonmal ab, aber online noch schneller. Sind die Kameras an, sieht man jedoch, wenn der Teilnehmer am Handy hängt oder eine andere Seite geöffnet hat.

Wie aktivierst du dann die Teilnehmer?

Ich spreche die Leute direkt mit Namen an und frage „Christian, was hältst du davon?“ Außerdem komprimieren wir die virtuellen Trainings im Vergleich zu Präsenztrainings, denn für die Teilnehmer ist es anstrengend, vor dem Bildschirm aufmerksam zu bleiben.

Deshalb sind die Online-Trainings etwa 1-2 Stunden kürzer. Da fangen wir teilweise damit an, dass wir Seminare splitten und zum Beispiel ein zweitägiges Seminar auf vier halbe Tage erstrecken. Dann entsteht Aufwand in der Terminabstimmung, aber das ist alles.

Welche Trainingselemente funktionieren online nicht?

Gruppenarbeiten, in denen Teilnehmer etwas erarbeiten und dann vorstellen, sind kaum möglich. Sie finden weiterhin statt und Teilnehmer präsentieren auch ihre Ergebnisse. Aber ich als Trainer visualisiere sie, und das ist ein klarer Nachteil. Denn in Präsenztrainings bringt es immer Abwechslung auch für die anderen Teilnehmer, wenn mal wer anders vorn steht und redet.

Für viele Teilnehmer sind Trainings auch eine wichtige Networking-Veranstaltung. Wie löst ihr das?

Das ist allerdings ein Problem. Normalerweise spielen die Pausen eine große Rolle. Die Teilnehmer treffen sich, networken, essen gemeinsam – jetzt sind wir alle froh, in der Pause auch einmal vom Rechner wegzukommen.

„Netwok ist online tatsächlich ein Problem.“

Also findet kein Networking statt?

Nur, wenn wir dafür extra eine Session einplanen. Wir erstellen beispielsweise Breakout-Rooms, in die sich die Teilnehmer in Kleingruppen zurückziehen können. Zoom ist für uns Trainer da das komfortabelste und stabilste Programm, aber auch andere Software zieht langsam nach.

 

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Viele Trainer beklagen, dass sie die Teilnehmer bei virtuellen Trainings nicht sehen und in einen „leeren Raum“ sprechen. Wie gehst du damit um?

Das stimmt, es wird schwieriger, je mehr Teilnehmer ihre Kamera ausschalten. Wenn die Kamera eingeschaltet ist, habe ich kein reduziertes Erleben, mit den Leuten zusammen zu sein. Gerade wenn die Gruppen klein sind, ist die Zusammenarbeit sogar intensiver als im gleichen Raum.

Was ist, wenn jemand seine Kamera nicht einschalten möchte?

Die einzigen Gründe die Kamera auszuschalten sind entweder, dass sie kaputt ist oder dass die Bandbreite keine Bildübertragung hergibt. Wichtig ist natürlich, dass davon niemand überrascht wird und die Trainingsorganisatoren den Teilnehmern vorher mitteilen, dass die Veranstaltung mit Bild stattfindet.

Hinsichtlich des „leeren Raums“ ist außerdem hilfreich, wenn man auf die persönlichen Anliegen der Teilnehmer eingeht sie so aktiviert.

Blicken wir von den Teilnehmern auf die Personalentwickler. Was hat sich in der Abstimmung mit den Programmverantwortlichen verändert?

Es gibt Datenschutzthemen, die wir jetzt vorab klären müssen. Leiten die Personalentwickler den Link zum virtuellen Meeting intern weiter? Oder darf ich die E-Mail-Adressen selbst verwenden?

Für die Personalentwickler entsteht ein gewisser Aufwand, bis alle Teilnehmer technisch vorbereitet sind und auf das Training zugreifen können. Denn in vielen Unternehmen darf z.B. Zoom immer noch nicht verwendet werden und die Unternehmen möchten ihre Plattform nutzen. Das ist dann aufwendig und meistens auch qualitativ schlechter.

Dafür fällt aber weg, dass die Personalentwickler Räume und Hotels buchen oder dafür sorgen müssen, dass ein Moderationskoffer da ist.

Wie ändern sich die Erwartungen deiner Auftraggeber an die Veranstaltung?

Tendenziell ist mein Eindruck, dass sie die Verantwortung für die Veranstaltung selbst abgeben. Wahrscheinlich liegt das daran, dass nun alle im Home Office sitzen und das Seminar nicht mehr präsent ist als etwas, das Inhouse stattfindet und das organisiert werden muss mit Dingen wie Verpflegung, Raumbuchungen und so weiter. Virtuell ist das Training stärker vom Tagesgeschäft entkoppelt.

„Für Personalentwickler entfällt virtuell einiger Verwaltungsaufwand.“

Die Auftraggeber möchten natürlich, dass die Trainings Wirkung haben. Wie stellst du den Transfer der Lerninhalte in den Alltag sicher?

Leider findet zu selten echter Transfer statt. Die Struktur, die notwendig ist, um Dinge im Alltag umzusetzen ist vor allem bei virtuellen Trainings noch schwieriger darzustellen. Sie erhalten bei mir das Angebot, mich nach der Veranstaltung bei Fragen und Unsicherheiten anzurufen. Das tun allerdings die wenigsten. Abgesehen davon sind die Teilnehmer weg und der Effekt ist begrenzt.

Klingt frustrierend.

Definitiv.

Wie geht es besser?

Ich mache Personalentwickler immer wieder auf das Problem aufmerksam. Sie brauchen ein Tool, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen, und die everskill-App ist dafür der perfekte Schlüssel.

Wir fangen damit ein mögliches Transfer-Minus gegenüber Präsenztrainings auf und führen die Teilnehmer nach dem virtuellen Training über die App weiter durch das Thema.

Die Zeit war nie besser, vom Zusatznutzen der App zu profitieren.

 

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