Virtuelle Trainings sind weniger effektiv als Präsenztrainings, so zumindest der Eindruck der letzten 15 Monate. Ob dieser Eindruck einer Datenanalyse standhält und welche Vorteile virtuelle Trainings auch über die Pandemie hinaus haben, diskutieren Dr. Daniel Schmelzer und Tobias Hollarek beim Expertengespräch.

Sehen Sie hier das vollständige Gespräch:

 

Wie bewerten Teilnehmer die virtuellen Trainings?

everskill hat in den letzten 500 Tagen über 5000 Teilnehmer in etwa 1400 virtuellen Trainings begleitet.

Der Trend ist klar: Die Teilnehmer bewerten diese virtuellen Trainings als weniger wirksam. Nur die Hälfte gab an, dass sich für sie nach dem Training etwas zum Positiven verändert hat – nach Präsenztrainings waren es mehr als zwei Drittel der Teilnehmer.

Auch die Nachbereitung leidet nach dem virtuellen Training. Tobias erklärt, dass die Zeit, die Teilnehmer dafür aufwenden, sich nach dem Training mit den Inhalten zu befassen, um fast die Hälfte zurückgegangen ist von rund 80 auf 40 Minuten.

Die Bilanz der Teilnehmerstimmen zu virtuellen Trainings ist also eher ernüchternd. Trotzdem haben sie unschlagbare Vorteile, wie Daniel Schmelzer erklärte:

  • Sie können den Teilnehmerkreis exakt so zusammenstellen, wie es für Ihr Unternehmen sinnvoll ist und sind nicht örtlich gebunden. Das fördert die internationale Vernetzung, etwa in High-Potential-Programmen.
  • Sie nutzen den Guru-Effekt und wählen den besten Trainer für Ihr Thema, nicht den, der gerade bereits vor Ort ist. Die Expertin für Ihr Programm wohnt in Australien? Für eine halbstündige Keynote können sie die Dame natürlich nicht einfliegen lassen. Virtuell dazuschalten ist hingegen kein Problem. Ihre Teilnehmer lernen von den besten Speakern.

Außerdem stellt Daniel fest, dass die Trainings, die vorher zu den besten gehörten, auch als virtuelle Trainings erfolgreich sind. Es gibt also ein Geheimrezept für erfolgreiche Trainings.

Was macht die besten Trainings so erfolgreich?

Die Daten bestätigen Daniels Vermutung, dass es ein besonderes Rezept gibt, dass virtuelle Trainings erfolgreich macht. Während Präsenztrainings den größten Effekt haben, wenn sie nur einen Tag dauern, sind virtuelle Trainings in zwei Tagen erfolgreicher.

Allerdings kommt es auch auf die Pausen an: Pro Trainingstag sollten Personalentwickler nur 4-6 Stunden Training einplanen, entweder einen halben Arbeitstag oder zwei Sessions mit einer echten langen Pause. Der Grund: Im Home Office sind die Teilnehmer viel näher an ihrem Tagesgeschäft als sie es im physischen Trainingsraum sind. Das lenkt ab. Nach einigen Stunden ist der Drang, Mails zu bearbeiten so groß wie ein fieser Juckreiz. Wenn die Teilnehmer in einer ausgiebigen Pause die Gelegenheit haben, diesen „Juckreiz“ zu besänftigen, haben sie anschließend wieder den Kopf frei für das Training.

Einen dritten Faktor neben Trainingsdauer in Tagen und Stunden nennt Tobias „digitale Interaktion“. Je mehr die Teilnehmer mit digitalen Tools wie everskill interagieren, desto besser bewerten sie anschließend auch das Training. Trainer können diese Interaktion aktiv beeinflussen, indem sie um Feedback bitten, auf Fragen der Teilnehmer im Chat eingehen und Ziele der Teilnehmer digital abfragen.

Wie beeinflusst das Trainingsdesign den Erfolg?

Virtuelle Trainings sind anstrengend für Trainer und Teilnehmer. Der Schlüssel für den Erfolg lautet daher Interaktion, so Daniel Schmelzer.

  • Starke Trainer binden die Teilnehmer vom ersten Moment an ein und schaffen etwa einen klaren Kanal. „Fragen Sie einfach, ob der Chat funktioniert, und bitten Sie die Teilnehmer, etwas in den Chat zu schreiben“, schlägt Daniel vor. So ist das Eis zumindest schon einmal angeknackst.
  • Wichtig auch: Die inhaltlichen Sessions müssen kurz sein, lange Monologe der Trainer sind nicht gefragt. Auch das können sie spielerisch-interaktiv lösen. „Der Trainer eines Kunden hat einmal die Teilnehmer herausgefordert, seine Sprechzeit zu stoppen. Wenn ein inhaltlicher Teil länger als 20 Minuten dauerte, sollten sie ihn unterbrechen,“ berichtet Daniel. Bonus für noch mehr Aufmerksamkeit: Jeder Teilnehmer notiert während des Theorieteils eine Quizfrage, die hilft die Inhalte zu verstehen. 
  • Unsere erfolgreichen Kunden berichten außerdem, dass die Kameras in ihren Trainings immer eingeschaltet haben. Das erhöht die Gruppendynamik in der Trainingsgruppe.
  • Das Wrap-up ist ebenfalls wichtig für den Trainingserfolg. Hier sollten noch einmal alle Teilnehmer aktiviert werden, um die wichtigsten Punkte des Trainings zusammenzufassen und Lernziele zu definieren.

Wie Sie Ihre virtuellen Trainings Schritt für Schritt zum Erfolg bringen, lesen Sie auch in unserem Whitepaper:

 

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 Unsere Experten

Tobias-Hollarek

 

Tobias Hollarek ist Experte für Trainingsmessung und seit dem ersten Tag bei everskill dabei. Zuvor studierte er Computer Science mit Schwerpunkt Robotik und Künstliche Intelligenz. Tobias kennt die Daten aus 3000 Trainings, die in fünf Jahren mit everskill begleitet wurden und weiß, wie Konzerne aktuell Trainings erfolgreich gestalten.

 

Daniel-Schmelzer

Dr. Daniel Schmelzer ist Gründer der everskill GmbH und ist Doktor der Verhaltenspsychologie (Empathie als Führungsverhalten). Seine sechs Jahre Beratungserfahrung bei der Boston Consulting Group machen ihn zum Experten im Design von on-site und e-learning Trainingsprogrammen. Gleichzeitig verfügt er über eine langjährige Trainingserfahrung in den Bereichen Kommunikation und Führungsverhalten.