Vielleicht ist es Ihnen nicht bewusst, aber Sie haben bereits ein Personal Learning Network. Sonst würden Sie diesen Beitrag nicht lesen. Denn Sie haben aktiv und freiwillig nach Informationen gesucht und aktiv und freiwillig entschieden, diesen Beitrag aufzurufen.

Selbstbestimmte und passgenaue Lernumgebung

Das ist der Kern eines Personal Learning Networks:

Nur Sie entscheiden, wann Sie sich auf welchem Weg über ein von Ihnen definiertes Thema informieren und mit anderen Menschen, die dasselbe Thema beschäftigt, interagieren. Meistens online, aber nicht notwendigerweise. 

 

Was ist ein Personal Learning Network?

Ein Personal Learning Network ist ein informelles Netzwerk aus Personen, mit denen ein Lernender in seinem Umfeld interagiert und von denen er Wissen und Fähigkeiten ableitet und erlernt.

Wichtig dabei ist, dass dieses Netzwerk mit der dedizierten Absicht des Lernens geschaffen wird.

Der Gedanke des Personal Learning Networks geht zurück auf die Konnektivismus-Theorie von George Siemens, die der kanadische Lerntheoretiker 2005 veröffentlichte. Nach dieser Theorie ist kontinuierliches Lernen am Arbeitsplatz am effektivsten, wenn Mitarbeiter über formelles Lernen hinaus informelle Strukturen in ihrem Umfeld schaffen, die ihre kontinuierlichen Lernbedürfnisse unterstützen.

Im Wesentlichen geht Siemens davon aus, dass wir in einer zunehmend global vernetzten Welt auch immer vernetzter lernen. Im fachlichen Kontext heißt das: Wir sind nicht mehr auf das Wissen unserer Kollegen und aus Weiterbildungsveranstaltungen begrenzt, sondern lernen zeitlich und örtlich unabhängig. Vor allem aber verbinden wir uns mit den Menschen, von denen wir zum gewählten Zeitpunkt das meiste lernen werden.

Ihr persönliches Lernnetzwerk sind die Menschen und Quellen, die Sie zu Rate ziehen wenn Sie Fachfragen haben – sei es nun Ihr LinkedIn-Netzwerk, Google-Ergebnisse zu einer sehr speziellen Suchanfrage, Blogs, Newsletter, persönliche Kontakte, mit denen Sie auf fachlicher Ebene interagieren - die Fülle der Quellen ist unerschöpflich.

Digitales Lernen nach persönlichem Bedarf

Neben dem Personal Learning Network stehen Netzwerke, die künstlich geschaffen wurden, beispielsweise im Zusammenhang mit Trainingsveranstaltungen. Nach Ende einer Weiterbildung stehen die Teilnehmer nur selten in Kontakt miteinander – ihre Interessen sind häufig zu unterschiedlich oder ihre Terminpläne unflexibel und so verliert man sich wieder aus dem Blick.

Das lässt sich verhindern, wenn der Austausch digitalisiert stattfindet und somit zeitlich und örtlich unabhängig ist. Ihr Netzwerk wird um Menschen erweitert, die gerade jetzt vor genau derselben Herausforderung stehen wie Sie.

Über digitale Kanäle wie etwa Social Media profitieren Sie voneinander und von Ihren Erfahrungen, und das immer und überall. Es ist nicht einmal notwendig, dass Sie diese Menschen überhaupt schon einmal persönlich getroffen haben.

Das Besondere am Personal Learning Network: Sie selbst entscheiden, wer Teil dieses Netzwerks ist und welchen Quellen Sie Ihre Zeit schenken. Sie entscheiden, ob Sie die Inhalte anderer nur konsumieren, oder ob Sie selbst zur Diskussion beitragen möchten – und wann.

Wie profitieren Unternehmen von Personal Learning Networks?

Jeder einzelne Mitarbeiter profitiert von seinem Personal Learning Network und entwickelt sich darüber weiter. Davon profitieren auch die Unternehmen, in denen sie angestellt sind, denn das Wettbewerbsumfeld verändert sich heute so schnell, dass Unternehmen nur mit Präsenztrainings nicht mehr up-to-date bleiben.

Der Wettbewerb wartet nicht darauf, bis in Ihrem Unternehmen die nächste Lehrveranstaltung auf dem Plan steht. Fachleute müssen über die laufenden Entwicklungen informiert sein, wenn sie aktuell sind, und können dann beispielsweise in sozialen Medien auch selbst zu Diskussionen beitragen.

Unabhängig davon, ob ein Mitarbeiter im Namen des Unternehmens selbst an der Diskussion teilnimmt oder lediglich Informationen konsumiert, kommt der Erkenntnisgewinn dem Unternehmen zugute.

Tägliche Ergänzung für Präsenztrainings und E-Learnings

Personal Learning Networks ersetzen Trainingsprogramme jedoch nicht, sondern sind eine kostengünstige und nicht-disruptive Ergänzung dazu, in der Mitarbeiter on-the-job und selbstbestimmt, aber unstrukturiert lernen.

Den Mitarbeitern gibt ein Personal Learning Network die Möglichkeit, ohne Sorge vor Kontrolle und Bewertung zu lernen. Insbesondere bei Themen, in denen sich ein Mitarbeiter noch nicht gut auskennt, ist die Scheu oft groß, das vor anderen zuzugeben. Wer die Gelegenheit hat, sich online anonym zu informieren, wird das eher tun als unter den Augen des Arbeitgebers.

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter zum eigenen Personal Learning Network?

Ihr Unternehmen profitiert wesentlich davon, wenn die Mitarbeiter in ihrem Fachbereich stets auf dem Laufenden sind. Als Personalentwickler können Sie sich am 4-Stufen-Modell von Milligan orientieren und Ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, selbst mit einem Personal Learning Network zu arbeiten.

Grafik Personal Learning Network

1. Consume

Im ersten Schritt trägt der Mitarbeiter selbst noch nicht zum Netzwerk bei, sondern konsumiert lediglich die Inhalte anderer und eignet sich so aktiv selbst neues Wissen an, wie etwa über Twitter und YouTube.

Voraussetzung dafür ist, dass nicht nur akzeptiert, sondern erwünscht ist, wenn er oder sie sich etwa am Arbeitsplatz in entsprechende Themen einliest und Blogs oder Fachbeiträge zum Thema aufruft. Die Personalentwicklung kann darüber hinaus die Möglichkeit bereitstellen, Hinweise auf Ressourcen etwa im Intranet zu teilen.

In den vergangenen Monaten standen wir bei everskill vor der Aufgabe, uns in verschiedene Google-Tools einzuarbeiten. Diese wirken auf den ersten Blick sehr kompliziert, aber mit verschiedenen YouTube-Tutorials konnten wir uns schnell einarbeiten.

2. Create

Über den reinen Konsum von Lerninhalten geht der Schritt „create“ hinaus. Hier geht es darum, Selbstreflexion und das Arbeiten an selbstgesteckten Lernzielen anzuregen.

Mitarbeiter verknüpfen ihr vorhandenes Wissen mit dem neuen Wissen aus ihrem Netzwerk und festigen so ihre Erkenntnisse und neue Fähigkeiten. Als Personalentwickler können Sie unterstützen, indem Sie Plattformen zum Austausch bereitstellen und die Mitarbeiter automatisiert regelmäßig an ihre Lernziele erinnern.

Bei everskill nutzen wir für die Selbstreflexion unsere Business Breakfasts. Einmal in der Woche stellt ein Teammitglied den anderen bei einem gemeinsamen Frühstück ein Thema vor, in das er oder sie sich gerade einarbeitet.

3. Connect

Ausgehend vom einzelnen Mitarbeiter entstehen Wissenspools, wenn sich Ihre Mitarbeiter miteinander verbinden und sich miteinander und firmenübergreifend austauschen.

Ermöglichen Sie den Mitarbeitern den Blick über den unternehmenseigenen Tellerrand und gestatten Sie es den Mitarbeitern, sich mit ihrer Peer Group auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu lernen – Erfahrungen, die möglicherweise in ihrem Unternehmen bisher nicht gemacht wurden.

Wir müssen nicht immer das Rad neu erfinden: Wenn nicht in Ihrem Unternehmen, gibt es sicher außerhalb jemand, der schon Erfahrungen mit Ihrer aktuellen Herausforderung hat. Suchen Sie sich Ansprechpartner in sozialen Netzwerken, mit denen Sie sich fachlich austauschen und von denen sie lernen können.

4. Contribute

Am stärksten eingebunden in ihr Personal Learning Network sind die Menschen, die selbst neues Wissen in das Netzwerk einbringen und die Diskussion so vorantreiben, etwa in einem eigenen Blog, über Social Media, in Keynotes oder Gastbeiträgen.

 

Personal Learning Networks sind heute selbstverständlich geworden. Ihr volles Potenzial entfalten die informellen Lernnetzwerke jedoch erst, wenn wir sie gezielt entwickeln und nutzen. 

 

Bleiben Sie an Ihren Lernzielen dran und unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter dabei, Trainingsinhalte im Alltag einzusetzen:

 

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