Ein Seminar mit einem Fotoprotokoll abzuschließen ist gang und gäbe. Rund 80 Prozent der Trainer nutzen Flipcharts in ihren Seminaren und visualisieren die Lerninhalte für ihre Seminarteilnehmer. Damit die Gruppe die Seminarinhalte auch nach dem Seminar nachschlagen kann, müssen alle Flipcharts in einem Dokument gesammelt und an die Teilnehmer versendet werden. Trainer sind allerdings den gesamten Tag in Seminaren oder unterwegs. Daher bleibt meist nur am Abend oder im Zug Zeit dazu, die Bilder zu formatieren, in Reihenfolge zu bringen, die E-Mail-Adressen der Teilnehmer rauszusuchen und das Protokoll schließlich zu versenden.

Aber wie viele der Teilnehmer schauen sich dieses Protokoll nach dem Seminar noch an? Die meisten Trainingsteilnehmer tauchen nach dem Seminar wieder in den Alltag ab – und das Fotoprotokoll versauert in den Tiefen des E-Mail Postfaches. Dabei wäre es doch wichtig, jetzt das Gelernte im Alltag umzusetzen und mit Hilfe des Protokolls dran zu bleiben.

Better together

Als Trainer ist es jedes Mal schön mit anzusehen, wie sich die Gruppe im Verlauf eines Seminars findet und eine Gemeinschaft bildet. Die Teilnehmer verbringen meist ein bis zwei Tage miteinander, lernen sich kennen, tauschen sich untereinander aus und entwickeln sich zusammen weiter. Warum erstellen sie nicht auch das Fotoprotokoll zusammen?

Mit dem folgendem Praxistipp erstellen die Trainingsteilnehmer das Fotoprotokoll gemeinschaftlich und daher für den Trainer wie von allein. Den Anfang macht die Trainerin, beziehungsweise der Trainer, indem sie das erste Flipchart abfotografiert und das Foto im Feed der everskill-App hochlädt. Anschließend machen ihr das die Teilnehmer gleich. Im Laufe des Seminars fotografiert jeder eine Flipchart und veröffentlicht diese in der App. Dadurch entsteht das Protokoll wie von selbst und bereits während des Seminars.

Und abgesehen von den freien Abenden und Zugfahrten entwickeln sich noch weitere Vorteile aus diesem Praxistipp:

1. Der IKEA-Effekt

Der Aufbau eines Billy Regals kann aus eigener Erfahrung manche Menschen zur Weißglut bringen. Der IKEA-Effekt beschreibt jedoch nicht dieses Phänomen. Das schwedische Möbelhaus hat vielmehr schon früh bemerkt, dass wir Dinge mehr schätzen, wenn wir sie selbst erschaffen haben. So bepreisen beispielsweise private Verkäufer von Gebrauchtwagen diese meist höher als tatsächlich gerechtfertigt – und sind später enttäuscht, wenn der Käufer nicht dieselbe Wertschätzung für den geliebten Wagen aufbringt.
Dieser Effekt lässt sich auch im Trainingskontext nutzen. Durch das eigenhändige Erstellen des Fotoprotokolls schätzen die Teilnehmer das Ergebnis mehr und greifen später häufiger auf das Protokoll zurück, um das Gelernte im Alltag umzusetzen.

2. Inhalte bereits im Seminar verinnerlichen

Der Mensch liebt Rituale im Alltag – und sie helfen ihm auch beim Lernen im Seminar. Durch das Posten der Flipcharts während des Seminars wiederholen die Teilnehmer noch einmal die Inhalte, verinnerlichen das Wesentliche und setzen sich im Kopf eine gedankliche Markierung. Dieser Prozess hilft den Teilnehmern das neue Wissen im Kopf zu strukturieren und zu behalten. Das regelmäßige Abfotografieren der Flipcharts schafft ein wirksames Lernritual im Seminar, das den Teilnehmern im Alltag hilft, das Gelernte schneller abzurufen.

3. Energie und Engagement

Reiner Frontalunterricht war schon in der Schule langweilig und begeistert auch in der Arbeitswelt wenige Trainingsteilnehmer. Durch die Ritualisierung des Flipchart-Abfotografierens, werden die Teilnehmer aktiv an der Gestaltung des Seminars beteiligt. Es fällt dem Lernenden damit sehr viel schwerer, sich im Seminar passiv von den Lerninhalten berieseln zu lassen. Er muss daher selbst aktiv werden und mit den Seminarinhalten interagieren. So gelangen Energie und Engagement in das Seminar.

Alle für einen oder einer für alle

Damit diese drei Effekte auch die gewünschte Wirkung erzielen, hat es sich bewährt die Verantwortung für das Fotoprotokoll in die Hände der Gruppe zu legen. So entstehen Ritualisierung und Energie und das Protokoll wird von den Teilnehmern als ihr eigenes Gut geschätzt. Dabei muss nicht jeder einzelne Teilnehmer an der Entstehung beteiligt sein. Es reicht auch schon, wenn das Team zu Beginn des Seminars einen oder zwei Teilnehmer dazu nominiert, die Flipcharts in der App hochzuladen.

So kann sich der Trainer nach einem langen Seminartag wohlverdient entspannen und selber beim Durchscrollen der everskill App das Seminar reflektieren. Die Teilnehmer haben das Fotoprotokoll nun immer in der Hosentasche dabei und die Lerninhalte können einfach und schnell im Alltag wiederholt werden. Andere Impressionen des Seminars im Feed der App erinnern zudem an das Seminarerlebnis und die gemeinsamen Tage zusammen.